EEG-Reform: Anstehende Regulierung mit Ungewissheiten
Eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) steht bis Ende 2026 an, da die aktuelle EU-beihilferechtliche Genehmigung des Fördersystems ausläuft und voraussichtlich Anpassungen an neue europäische Rahmenbedingungen erforderlich werden. Die konkrete Ausgestaltung des zukünftigen EEG ist derzeit offen und mit Unsicherheiten verbunden – insbesondere hinsichtlich künftiger Vergütungsmodelle, möglicher Marktprämien und weiterentwickelter Marktdesign-Instrumente für Wind- und Photovoltaikanlagen. Mögliche Ansätze hierzu wurden bereits im Rahmen der Plattform Klimaneutrales Stromsystem (PKNS) vorgestellt und diskutiert.
Für EVU ergibt sich daraus aus heutiger Sicht ein zeitlich begrenztes Handlungsfenster: Projekte, die noch unter den aktuell bekannten Vergütungsbedingungen realisiert werden können, bieten eine vergleichsweise hohe Planungssicherheit. Diese Stabilität ist ein wesentlicher Treiber für eine beschleunigte Projektentwicklung und -umsetzung.
Ausschreibungen und Projektpipeline bei Wind und Photovoltaik
Die aktuelle Ausschreibungslandschaft bestätigt die hohe Investitionsbereitschaft im Markt. Insbesondere die Windenergie an Land war in den vergangenen Gebotsterminen erneut stark überzeichnet, was den intensiven Wettbewerb um Projektvolumen, Flächen und Kapital verdeutlicht.
Parallel dazu ist auch im Bereich Photovoltaik eine anhaltend hohe Nachfrage zu beobachten – sowohl in den EEG-Ausschreibungen für Freiflächenanlagen als auch außerhalb des Fördersystems, etwa bei PPA-basierten Projekten. Sinkende spezifische Investitionskosten treffen dabei auf steigende Anforderungen an Vermarktung und Systemintegration.
Besonders relevant für EVU ist die große Pipeline genehmigter Projekte: Allein 2025 wurden rund 3.300 Windenergieanlagen mit etwa Rekordleistung von 20 GW genehmigt, rund 40 % mehr als im Vorjahr. Viele dieser Projekte haben bislang noch nicht an Ausschreibungen teilgenommen. Auch bei der Photovoltaik existiert eine umfangreiche Pipeline genehmigter, aber noch nicht bezuschlagter Projekte.
Strategische Bedeutung für EVU
Erneuerbare Erzeugungsanlagen sind für EVU strategische Assets im Hinblick auf Renditemöglichkeiten, Risikoprofile sowie Marktpositionierung und Wettbewerbsfähigkeit. Wind- und PV-Anlagen sichern Strommengen ab, diversifizieren das Erzeugungsportfolio, verlängern die Wertschöpfungskette und stärken die Marktposition als aktiver Produzent.
Dem stehen Risiken gegenüber, etwa marktpreisliche Erlösrisiken durch negative Strompreise, regulatorische Unsicherheiten im Zuge der EEG-Reform sowie projekt- und standortspezifische Herausforderungen wie Netzanschluss oder Genehmigungsdauer. In diesem Umfeld ist eine strategische, EVU-spezifische Bewertung der eigenen Positionierung und der daraus resultierenden Handlungsoptionen erforderlich.
Ganzheitliche Projektbewertung als Entscheidungsgrundlage
BET Consulting unterstützt EVU und Betreiber mit kaufmännischer und technischer Bewertung von EE-Projekten aller Größen – für Wind- und Photovoltaikanlagen. Ziel ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage für einen Erwerb oder eine Veräußerung, die wirtschaftliche, technische, regulatorische und marktseitige Aspekte integriert.
Im Fokus stehen Projektertrags- und Kostenanalysen auf Basis fundierter Marktszenarien, die Einordnung regulatorischer Effekte sowie eine strukturierte Bewertung projektspezifischer Rahmenbedingungen auf Basis transparenter Annahmen. Sollte ein Kauf konkret werden, bringt BET gerne die Expertise aus einer Vielzahl begleiteter Transaktionen über die kommerzielle, technische und regulatorische Bewertung sowie aus Strategieprojekten ein.
Für eigenentwickelte Projekte unterstützt BET bei der strategischen und operativen Umsetzung einer Bieterstrategie für die letzten hart umkämpften Ausschreibungen des aktuell geltenden EEGs.
Szenarien, Marktwerte und Flexibilität
Ein zentraler Bestandteil der BET-Methodik ist der Einsatz differenzierter Energiemarktszenarien. Diese ermöglichen eine fundierte Einordnung möglicher Marktwertentwicklungen von Wind- und Solarstrom und berücksichtigen Einflussfaktoren wie § 51 EEG, Netzengpässe sowie saisonale und kurzfristige Preisvolatilitäten.
Mit zunehmender Volatilität gewinnt Flexibilität an Bedeutung. Batterieenergiespeichersysteme, Lastmanagement und intelligente Vermarktung können dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und Erzeugungsportfolios zu stabilisieren. BET unterstützt EVU auch hier bei der Bewertung und greift dabei unter anderem auf den gemeinsam mit Energy2Market entwickelten BESS-Co-Location-Index zurück.
Fazit
2026 ist für EVU ein Jahr strategischer Entscheidungen. Die anstehende EEG-Reform, die hohe Nachfrage in Wind- und PV-Ausschreibungen sowie die umfangreiche Projektpipeline erfordern systematische, szenariobasierte Bewertungsansätze. EVU, die jetzt fundiert entscheiden, können Wettbewerbsvorteile erzielen und die Grundlage für eine langfristig resiliente Erzeugungsstrategie legen.
Jörg Ottersbach
Leiter Kompetenzteam Erneuerbare Energien
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