Newsletter Nachhaltigkeit | 21.01.2026 Deutschland schrumpft und altert – wie das Nachhaltigkeitsmanagement hilft, die Herausforderungen zu meistern Autoren: Nikolai Falter

 

Das statistische Bundesamt hat Ende 2025 seine 16. Bevölkerungsvorausberechnung vorgelegt. Ergebnis: eine schrumpfende Bevölkerung wird immer wahrscheinlicher. Energieversorger sind von diesem Trend in mehreren Dimensionen betroffen – wirtschaftlich, sozial und ökologisch. Das Nachhaltigkeitsmanagement kann diese Herausforderungen bündeln und helfen, vorausschauend zu planen und die Risiken zu bewältigen.

Deutschland wird älter – und weniger

Das Statistische Bundesamt hat im Dezember 2025 die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung vorgelegt. In 27 Varianten wurden die Auswirkungen verschiedener Entwicklungspfade von Lebenserwartung, Geburtenrate und Wanderungssaldo untersucht. Für 2070 ergibt sich eine Spannweite der Bevölkerungszahl von 63,9 bis 86,5 Millionen Menschen – je nach Variante rund 8 bis 9 % weniger als in der 15. Vorausberechnung.

Eine zentrale Erkenntnis: Nur noch zwei der 27 Szenarien führen zu einem leichten Bevölkerungswachstum. In zwei Szenarien stagniert die Einwohnerzahl – in allen anderen Szenarien sinkt die Bevölkerung in Deutschland. Im mittleren Szenario sinkt die Zahl der Menschen bis 2070 von 83 auf unter 75 Millionen. Im Vergleich zu früheren Prognosen stehen damit die Zeichen deutlich stärker auf Schrumpfungskurs. Ausgewählte Szenarien sind in der folgenden Grafik dargestellt.

Neben dem Blick auf Gesamtdeutschland sind auch die regionalen Unterschiede erkenntnisreich:

  • Westdeutschland: Gesamtbevölkerung tendenziell konstant, aber im Schnitt deutlich älter.
  • Stadtstaaten: Je nach Szenario leichtes Bevölkerungswachstum möglich.
  • Ostdeutschland: In allen Szenarien signifikanter Rückgang um 14 bis 30 % bis 2070 gegenüber heute; schon heute ist der Anteil Älterer dort überdurchschnittlich hoch.

 

Was heißt das für EVU und nachhaltige Unternehmensentwicklung?

Nachhaltigkeit bedeutet, langfristig und vorausschauend zu denken, um den Unternehmenserfolg zu sichern. Sowohl für die wirtschaftliche als auch die soziale und ökologische Nachhaltigkeit ist die Bevölkerungsentwicklung essenziell.

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit

  • Die Energienachfrage verändert sich mengenmäßig und strukturell: weniger Erwerbstätigkeit, mehr Pflegebedarfe, längere Aufenthaltszeiten zu Hause. In der Langfristplanung (die die Grundlage für die Steuerung der ökonomischen Nachhaltigkeit sein sollte) darf dieser Aspekt nicht fehlen.
  • In Ballungsräumen steigt der Druck auf die Stromnetze durch die Elektrifizierung von Wärme und Mobilität, während in schrumpfenden Regionen die Zahl der Gasanschlüsse schneller sinken könnte als geplant – mit entsprechendem Stranded-Asset-Risiko. Die entsprechenden Zielnetzpläne müssen diese Entwicklung berücksichtigen.


Soziale Nachhaltigkeit

  • Mit einer sinkenden Zahl von Erwerbstätigen nimmt der Anteil von Kundinnen und Kunden zu, die von Energiearmut bedroht sind. Vertriebsstrategien sowie das Mahn- und Sperrwesen werden sich darauf einstellen müssen.
  • Gleichzeitig führt ein Rückgang der Beschäftigtenzahlen absehbar auch zu einer weiteren Verstärkung des Fachkräftemangels, gerade in handwerklichen Berufen. Für die Personalabteilungen wird der Wettbewerb um junge Fachkräfte intensiver.
  • Das Durchschnittsalter der Erwerbsbevölkerung steigt. Wahrscheinlich werden mehr Menschen jenseits des heutigen Rentenalters arbeiten. Unternehmen müssen sich stärker auf Bedürfnisse älterer Beschäftigter einstellen (Stichworte: Arbeitsorganisation, Gesundheit, Weiterbildung).

 

Ökologische Nachhaltigkeit

  • Eine ältere und damit vulnerablere Bevölkerung trifft auf häufigere und intensivere Klimafolgen (u. a. Hitze und Starkregen). Klimaanpassung und wirksame Klimarisikominderung werden zur Pflicht. Stadtwerke stehen hier zusammen mit ihren kommunalen Anteilseignern in der Verantwortung zu handeln und die Folgen für ihre Kundschaft, die Belegschaft und die Allgemeinheit beherrschbar zu machen.
  • Für eine alternde Gesellschaft gewinnen integrierte, kundenfreundliche und verlässliche erneuerbare Energielösungen an Bedeutung: effiziente Gebäude, Wärmepumpen, erneuerbare Wärmenetze, Abwärmenutzung, Speicher und smarte Steuerung.

 

Vorausschauend handeln, Demografie strategisch berücksichtigen

Nachhaltigkeit heißt, wirtschaftlich, sozial und ökologisch vorausschauend zu handeln, um den Unternehmenserfolg über die Kurzfrist hinaus zu sichern. Dies gelingt nur, wenn strukturelle Veränderungen bei Kundschaft und Belegschaft frühzeitig erkannt und in Strategie, Investitionen und Services berücksichtigt werden. Im Gegensatz zu vielen Krisen ist die demografische Entwicklung gut prognostizierbar – eine Chance, die insbesondere kommunale Unternehmen mit Versorgungsauftrag aktiv nutzen sollten.

Alle Zahlen zur 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung im Detail gibt es beim Statistischen Bundesamt: Zur Pressemitteilung Statistisches Bundesamt
 

 

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