Newsletter Nachhaltigkeit | 21.01.2026 Nachhaltigkeitsberichte für kleine und mittlere EVU – VSME zum Wettbewerbsvorteil machen Autoren: Sarah Welter

 

Nachhaltigkeitsberichterstattung wird für kleine und mittlere Energieversorger zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Auch ohne formale CSRD-Pflicht steigen die Erwartungen von Banken, Kommunen und Geschäftspartnern an transparenten ESG-Informationen. Warum sich freiwillige Berichterstattung lohnt und wie EVU mit überschaubarem Aufwand davon profitieren können, zeigt dieser Beitrag.

Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Energieversorger

Nachhaltigkeit entwickelt sich für kleine und mittlere Energieversorgungsunternehmen (EVU) zunehmend von der sprichwörtlichen „Kirsche auf dem Pudding“ zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Banken, Kommunen, Geschäftspartner und zunehmend auch Kundinnen und Kunden fragen gezielt nach belastbaren ESG-Informationen, etwa im Rahmen von Kreditvergaben, Konzessionsverfahren, Ausschreibungen, Vertragsabschlüssen oder Kooperationen. Wer seine Nachhaltigkeitsleistung transparent darstellt, stärkt nicht nur seine Glaubwürdigkeit, sondern auch Arbeitgeberattraktivität, regionale Verantwortung und langfristige Zukunftsfähigkeit.

Regulatorischer Rahmen und Marktdruck

Formell betrifft die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) nach der Einigung im Trilog-Verfahren der EU im Dezember 2025 derzeit nur große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden. Dennoch entfalten die Anforderungen bereits heute eine indirekte Wirkung auf kleinere EVU. Banken integrieren ESG-Kriterien zunehmend in Kreditentscheidungen, Förderprogramme knüpfen an Nachhaltigkeitsnachweise an und öffentliche Auftraggeber berücksichtigen neben Preis und Leistung immer öfter auch nichtfinanzielle Kriterien.

Für sehr kleine sowie kleine und mittlere Unternehmen hat die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) mit dem VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) einen freiwilligen, vereinfachten Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt. Dieser ermöglicht eine strukturierte Darstellung zentraler ESG-Themen bei deutlich reduziertem Aufwand im Vergleich zur CSRD.

Inhalte eines kompakten Nachhaltigkeitsberichts

Ein praxisnaher Nachhaltigkeitsbericht für kleine und mittlere EVU konzentriert sich auf drei Themenfelder: Im Bereich Umwelt stehen unter anderem Energieeffizienz, Emissionen und Biodiversität im Fokus. Der soziale Bereich umfasst Themen wie Arbeitssicherheit, Qualifikation, Weiterbildung oder Diversität. Im Bereich Unternehmensführung werden Aspekte wie Compliance, Transparenz, Vergabepraxis und der Umgang mit Stakeholdern betrachtet.

Der VSME-Standard bietet ein Basis-Modul für Unternehmen mit sehr begrenzten Ressourcen sowie ein erweitertes Modul mit zusätzlichen quantitativen Kennzahlen. Für kleine und mittlere Energieversorger empfiehlt sich in der Praxis häufig eine Kombination beider Module, um die Erwartungen von Banken, Kommunen und Geschäftspartnern angemessen abzudecken.

Schrittweise Umsetzung mit überschaubarem Aufwand

Die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts nach VSME lässt sich auch mit begrenzten Ressourcen pragmatisch umsetzen. Bewährt hat sich ein dreistufiges Vorgehen:

  1. Zunächst erfolgt eine Bestandsaufnahme vorhandener Daten, etwa zu Energieverbrauch oder Personalstruktur.
  2. Anschließend werden relevante Strategien, Richtlinien, Kennzahlen, Maßnahmen und Ziele kompakt dokumentiert.
  3. Im dritten Schritt wird der Bericht oder ein Nachhaltigkeitsstatement veröffentlicht und aktiv kommuniziert, beispielsweise über die Website oder den Geschäftsbericht.


Für den Einstieg genügt häufig eine kurze Nachhaltigkeitserklärung, die jährlich fortgeschrieben wird. Der Umfang liegt je nach Tiefe meist zwischen fünf und zwanzig Seiten.

Mehrwert für Finanzierung und Unternehmenssteuerung

Der Aufwand für eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung ist deutlich geringer als bei einer vollständigen CSRD-Berichterstattung. Gleichzeitig bietet sie einen spürbaren Mehrwert. ESG-Informationen erleichtern den Zugang zu Finanzierung und Fördermitteln, stärken die Wettbewerbsposition bei Konzessionen und Ausschreibungen und schaffen Transparenz gegenüber Stakeholdern. Darüber hinaus unterstützt die systematische Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit die interne Steuerung, etwa durch eine bessere Erfassung von Energieverbräuchen, Kosten und Risiken. Der Bericht bildet zudem eine belastbare Grundlage für strategische Entscheidungen und zukünftige Investitionen.

Weitere Informationen:

VSME-Standard (Empfehlung der EU-Kommission)

EFRAG-Knowledgehub zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

Zurück zu Aktuelles