Digitalisierung | 24.03.2026 MaKo 2026: Stabilisierung statt Revolution – Warum das Format-Update zum 01.04.2026 entscheidend ist Autoren: Kevin Goldermann | Simon Kutzner | Gregor Schneider

 

Mit der Anpassung der Marktkommunikation zum 01.04.2026 setzt die Bundesnetzagentur auf Konsolidierung statt Umbruch. Aktualisierte EDIFACT-Formate, präzisierte Prüfidentifikatoren und harmonisierte Entscheidungsbäume sollen die Marktkommunikation robuster, automatisierbarer und rechtssicher machen. Für Marktpartner bedeutet das vor allem: weniger Interpretationsspielraum, stabilere Prozesse und höhere Betriebssicherheit im Massengeschäft.

MaKo 2026: Warum die Anpassungen zum 01.04.2026 notwendig sind – und was sich wirklich ändert

Zum 01.04.2026 treten mit der Mitteilung Nr. 54 der Bundesnetzagentur aktualisierte Datenformate für die Marktkommunikation (MaKo) in Kraft. Anders als bei den großen Strukturreformen der vergangenen Jahre handelt es sich diesmal nicht um eine grundlegende Neuausrichtung der Geschäftsprozesse, sondern um ein gezieltes Konsolidierungs- und Stabilisierungsrelease. Dennoch ist die Anpassung für alle Marktpartner operativ relevant – insbesondere für IT, Abrechnung, Messwesen und Prozessautomatisierung.

Warum die MaKo-Anpassung 2026 notwendig ist

Die Energiewirtschaft ist in hohem Maße auf standardisierte, automatisierte Kommunikation angewiesen. Prozesse wie GPKE, WiM, MaBiS oder GeLi basieren auf einem komplexen Zusammenspiel von EDIFACT-Nachrichten, Entscheidungsbäumen (EBD), Prüfidentifikatoren und Codelisten. Bereits kleinere Unschärfen in Datenformaten führen zu Ablehnungen, Clearingfällen oder Verzögerungen im Massengeschäft.

Nach den umfangreichen Umstellungen der Jahre 2024 und 2025 – insbesondere im Kontext neuer Prozessanforderungen und Formatpakete – zeigte sich in der Praxis ein erhöhter Bedarf an Harmonisierung und Klarstellung. Unterschiedliche Interpretationen von Segmentbelegungen, Prüfregeln oder Antwortcodes führten zu Inkonsistenzen zwischen Marktpartnern. Die Anpassung zum 01.04.2026 adressiert genau diesen Punkt: Sie dient der Vereinheitlichung, Stabilisierung und rechtssicheren Fortführung der elektronischen Marktkommunikation.

Gleichzeitig erfüllt die Bundesnetzagentur damit ihren regulatorischen Auftrag, ein diskriminierungsfreies, interoperables und automatisierbares Kommunikationssystem im Energiemarkt sicherzustellen. Die kontinuierliche Pflege der EDI@Energy-Dokumente ist daher kein optionaler Branchenstandard, sondern integraler Bestandteil der regulatorischen Infrastruktur.

Die wichtigsten Anpassungen im Überblick

1. Aktualisierte EDIFACT-Nachrichtentypen

Zentraler Bestandteil des Releases sind überarbeitete Versionen mehrerer EDIFACT-Formate, darunter COMDIS, MSCONS, ORDERS, ORDRSP, REMADV, PARTIN, INVOIC sowie UTILMD (Gas). Inhaltlich stehen weniger strukturelle Änderungen als vielmehr Präzisierungen im Fokus:

  • Klarere Pflichtfelddefinitionen und Segmentregeln (AHB/MIG)
  • Harmonisierung von Referenzlogiken (z. B. RFF-Bezüge)
  • Reduzierung von Interpretationsspielräumen bei Validierungen
     

Insbesondere bei MSCONS (Messwerte) und INVOIC (Abrechnung) zielen die Anpassungen auf eine konsistente maschinelle Auswertung und weniger Rückweisungen im Tagesgeschäft.

2. Schärfung der Entscheidungsbäume und Prüfidentifikatoren

Mit Version 4.2 der Entscheidungsbaum-Diagramme (EBD) sowie der aktualisierten Prüfidentifikatoren (Version 3.3) wird die fachliche Ablehnungs- und Fehlerlogik weiter vereinheitlicht.

Für Marktpartner bedeutet dies:

  • klarere Unterscheidung zwischen fachlicher Ablehnung und technischem Fehler
  • verbesserte Automatisierung der Prozessvalidierung
  • geringere Clearingaufwände bei Formatprüfungen


Gerade in Massengeschäftsprozessen wie Lieferantenwechsel, Abrechnung oder Messwertübermittlung ist diese Standardisierung ein entscheidender Effizienzfaktor.

3. Aktualisierte Codelisten und OBIS-Bezüge

Mit der Fortschreibung der Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien (Version 2.5c) wird die Konsistenz bei der Interpretation von Messwerten und Abrechnungsgrundlagen weiter erhöht. Dies trägt insbesondere zur Stabilisierung und Vereinheitlichung von Prozessen im Messwesen (WiM), in der Bilanzierung (MaBiS) sowie in den Marktkommunikationsprozessen nach GPKE und GeLi Gas bei.

4. XML-Dokumente und technische Konsolidierung

Auch die XML-Artefakte (z. B. AcknowledgementDocument, ActivationDocument, Kaskade) wurden fortgeschrieben. Ziel ist eine konsistente Bestätigungs- und Aktivierungslogik über verschiedene Prozessketten hinweg sowie eine bessere Schema-Stabilität in der Systemintegration.

5. Aktualisierte Allgemeine Festlegungen und Kommunikationsregeln

Die Allgemeinen Festlegungen (Version 6.1c) sowie die Regelungen zum Übertragungsweg (inkl. AS4-Kontext) wurden redaktionell und technisch harmonisiert. Damit wird die einheitliche Auslegung der Marktkommunikation über alle Rollen hinweg gestärkt.

Einordnung für Marktpartner

Betroffen sind alle umsetzungspflichtigen Marktrollen – insbesondere Netzbetreiber, Lieferanten, Messstellenbetreiber und bilanzierungsrelevante Akteure (ÜNB, BKV). Inhaltlich handelt es sich um ein querschnittliches Formatrelease ohne neue Geschäftsprozesse. Der Schwerpunkt liegt klar auf Qualität, Interoperabilität und Betriebssicherheit.

Fazit

Die MaKo-Anpassung zum 01.04.2026 ist kein disruptiver Umbruch, sondern ein notwendiger Stabilisierungsschritt nach mehreren Jahren intensiver Weiterentwicklung der Marktprozesse. Durch die Harmonisierung von Datenformaten, Prüfregeln und Codelisten schafft die Bundesnetzagentur die Grundlage für eine robustere, effizientere und rechtssichere Marktkommunikation. Für die Branche bedeutet dies vor allem eines: weniger Interpretationsspielraum, höhere Automatisierung und langfristig stabilere Prozesse im digitalisierten Energiemarkt.

Wir haben dazu das BET-MaKo-Briefing entwickelt. Es unterstützt Fach- und IT-Mitarbeitende dabei, die regulatorischen Änderungen der Marktkommunikation strukturiert zu erfassen und ihre Auswirkungen auf Prozesse und IT-Systeme frühzeitig zu erkennen.

Mehr Informationen: BET-MaKo-Briefing

Sprechen Sie uns gerne an!

Kevin Goldermann
Leiter Kompetenzteam IT & Datenmanagement
E-Mail
 
Simon Kutzner
Senior Manager
E-Mail

Zurück zu Webmagazin