Transaktionen & Industrie, | 24.03.2026 Unternehmensentwicklung | 24.03.2026 Transaktionen im Bereich Ladeinfrastruktur – worauf es bei der Due Diligence ankommt Autoren: Fabian Lambrecht | Nikolai Falter

 

Nach einem umfangreichen Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland und Europa setzt im Markt zunehmend eine anbieterseitige Konsolidierung ein. Diese zeigt sich in einer wachsenden Zahl an Transaktionen – von der regulatorisch bedingten Veräußerung einzelner Standorte bis hin zum Erwerb umfangreicher Ladeportfolios durch Investoren oder große, namhafte Ladepunktbetreiber. Wir erläutern, worauf es bei der Due-Diligence-Prüfung von Ladeinfrastrukturportfolios besonders ankommt.

Die Elektromobilität ist weiter im Hochlauf. Für das Jahr 2025 verzeichnet das Kraftfahrt-Bundesamt bei batterieelektrischen Pkw in Deutschland ein Bestandswachstum von 23,2 %. Das Angebot an wettbewerbsfähigen, alltagstauglichen und wirtschaftlich attraktiven Elektrofahrzeugen wächst in allen Segmenten. Kurzfristig wird der Hochlauf zudem durch verschiedene Förderformate sowohl für private als auch gewerbliche Elektromobilität gestützt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Standorte, die ein Repowering, eine technische Modernisierung oder eine Kapazitätserweiterung erfordern. Zudem ist bisher vor allem Pkw-Ladeinfrastruktur im Feld. Standorte, die explizit auf die Anforderungen von schweren Nutzfahrzeugen hin optimiert sind, sind die Ausnahme.

Gerade mit Blick auf die nächsten 10 bis 15 Jahre bietet der Markt damit sehr großes Potenzial und Bedarf für weitere Ladeinfrastruktur. Aber auch der Finanzierungsbedarf bei Ladepunktbetreibern (Charge Point Operator, CPO), die weiter vorne mitspielen wollen, ist enorm. Gerade Energieversorgungsunternehmen (EVU), die als CPO aktiv sind, müssen den Einsatz ihres Eigenkapitals zwischen notwendigen Investitionen im Kerngeschäft und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur priorisieren. Die aktuellen Marktgegebenheiten bieten also auch für institutionelle Investoren einen guten Zeitpunkt, um als Partner einzusteigen.

Fallbeispiel: Expansion eines CPO

Im Fallbeispiel geht es um die angestrebte Expansion eines bundesweit tätigen Ladepunktbetreibers mit mehreren hundert aktiven Schnellladepunkten, der dieses Momentum nutzen möchte. Neben der Erschließung neuer Standorte soll die Expansion durch den Zukauf bestehender Schnellladestandorte im Markt und deren Eingliederung in das eigene Portfolio beschleunigt werden.

Im Rahmen der Due Diligence soll daher das mögliche Übernahmeobjekt (Target), die öffentliche Ladeinfrastruktur eines regionalen CPO, geprüft und bewertet werden. Die Due Diligence ist in drei Bereiche unterteilt: Commercial (kommerziell/wirtschaftlich), Regulatory (regulatorisch) und Technical (technisch).

Im Bereich Commercial werden im Rahmen der Due Diligence unter anderem die folgenden Aspekte beleuchtet und bewertet:

  • Heutige und künftige Auslastung der Standorte sowie Planungs-Pipeline für weitere Standorte
  • Abgleich von Portfolio und Strategie mit adressierten Zielgruppen und deren Zahlungsbereitschaft
  • Wirtschaftlichkeit der Standorte auf Basis der laufenden Betriebskosten (auf Basis von BET-Kostenbenchmarks), der standortspezifischen Netzentgelte und der prognostizierten Strombeschaffungskosten (auf Basis der BET-Energiemarktszenarien)
     

Im Rahmen der Regulatory Due Diligence erfolgt unter anderem eine Einordnung und Bewertung des Targets hinsichtlich folgender Punkte:

  • Chancen und Risiken aus den Vorgaben der Alternative Fuel Infrastructure Regulation (AFIR) bspw. zur nationalen Mindestabdeckung mit Ladepunkten oder der Ausgestaltung und Differenzierung von Ladestrompreisen
  • Aus der AFIR resultierende technische Anforderungen, wie Kreditkartenterminals und Plug&Charge-Fähigkeit neuer Ladepunkte
  • Nachfrageeffekte aus gesetzlich vorgegebenen Mindestquoten von emissionsfreien Fahrzeugen für Industrie und Kommunalwirtschaft (CVD/SaubFahrzeugBeschG)
     

Die Technical Due Diligence umfasst die Prüfung und Bewertung des Ladeinfrastrukturportfolios aus technischer Perspektive. Hierzu zählen unter anderem:

  • Technischer Zustand, Leistungsfähigkeit und Alter der verbauten Hardware (maximale Ladeleistung, Verfügbarkeitsquoten)
  • Aktualität der verwendeten Software (OCPP 2.0 oder höher) und abgedeckten Zertifikate zur Cybersicherheit sowie ISO-Normen (ISO 15118-20)
  • Eingesetzte Backend-Software und Kompatibilität mit der Abrechnungssoftware des Unternehmens
  • Gesamtzustand und Erweiterbarkeit des Standorts (Platz, Erschließbarkeit umliegender Flächen, Netzanschlusskapazität)
  • Möglichkeiten zur Umsetzung von Innovationen wie dynamische Ladestrompreise, Integration von Reservierungssystemen für Lkw etc.
     

Doch nicht nur im Bereich der öffentlichen Ladeinfrastruktur wächst die Bedeutung von fundierten Due-Diligence-Prüfungen. Auch im Bereich der (halb-)öffentlichen Ladeinfrastruktur, z. B. in Büro- und Gewerbeimmobilien, kommt – getrieben durch die Anforderungen des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG) – zunehmend Bewegung in den Transaktionsmarkt. In diesem Segment durfte BET im letzten Jahr einen führenden Anbieter integrierter Ladeinfrastruktur- und Energielösungen als Transaktionsberater begleiten.

Mit der zunehmenden Professionalisierung und Konsolidierung des Ladeinfrastrukturmarktes gewinnen strukturierte Due-Diligence-Prüfungen damit weiter an Bedeutung – sowohl für strategische Investoren als auch für Finanzinvestoren.

Sehr gerne stehen wir für Rückfragen und bei Unterstützungsbedarf im Bereich Transaktionsberatung für Ladeinfrastrukturportfolios und -betriebsgesellschaften zur Verfügung.

Fabian Lambrecht
Leiter Kompetenzteam Transaktionen
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