Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) arbeitet derzeit mit dem sogenannten „Actions and Market Instruments“-Standard (AMI) an einer grundlegenden Weiterentwicklung der unternehmerischen Klimaberichterstattung. Hintergrund ist die zunehmende Diskrepanz zwischen klassischen Treibhausgasinventaren und der tatsächlichen Klimawirkung unternehmerischer Maßnahmen.
Der im März 2026 veröffentlichte Fortschrittsbericht skizziert erstmals die konzeptionelle Richtung des neuen Standards. Im Mittelpunkt steht dabei ein sogenanntes „Multi-Statement Reporting“, welches einen Paradigmenwechsel bei der THG-Bilanzierung darstellen könnte.
Bestehende THG-Bilanzierung bleibt erhalten
Der AMI-Standard ersetzt die bestehenden Standards des GHG-Protokolls nicht. Die klassische THG-Bilanzierung in den bekannten Scopes 1 bis 3 bleibt weiterhin die Grundlage der Unternehmensberichterstattung. Auch die heute bereits etablierte Unterscheidung zwischen standortbezogener („location-based“) und marktbezogener („market-based“) Scope-2-Bilanzierung bleibt bestehen. Der AMI-Standard soll künftig jedoch zusätzliche, eigenständige Berichtsebenen einführen.
Vier Berichtsebenen statt nur einer Bilanz
Kern des AMI-Ansatzes ist ein neues mehrstufiges Berichtssystem mit vier separaten Berichten:
- Physical GHG Inventory
Die „klassiche“ THG-Bilanzierung nach Corporate Standard.
- Market-based GHG Inventory
Die klassische Bilanzierung mit dem bekannten marktbasierten Ansatz in Scope 2, ergänzt um marktbasierte Bilanzierungsmethoden für die Scopes 1 und 3.
- GHG Impact Statement
Neue Bilanz zur Darstellung der Wirkung von ergriffenen Maßnahmen zur Vermeidung und Reduktion von Emissionen oder zur Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre.
- Non-GHG Indicators
Bericht zu Klima-Indikatoren, die über reine Treibhausgase bzw. CO2-Äquivalente hinausgehen (z. B. THG-Intensität, Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen).
Das klassische physische Emissionsinventar (Nr. 1) bleibt dabei die zentrale Grundlage. Neu sind die Berichtsebenen 2 bis 4.
Hohe Relevanz für Energieversorger
Die Konsultation zum „Actions and Market Instruments“-Standard läuft noch bis Ende Mai 2026. Ob die drei neuen Berichtsebenen zukünftig optional oder verpflichtend sein werden, ist noch nicht beschlossen. Die Veröffentlichung eines ersten vollständigen Standardentwurfs ist derzeit für Q3 2027 vorgesehen.
Wenn sie in dieser Form eingeführt werden, wären insbesondere das Impact Statement zu den Wirkungen von Emissionsreduktionsmaßnahmen sowie der neue Bericht über Kennzahlen für Energieversorger von hoher Relevanz. Das Impact Statement vereinheitlicht die Bewertung von Maßnahmen, die im Rahmen von Dekarbonisierungsstrategien erarbeitet werden und erfordert u. a. die Berechnung der Reduktionswirkung im Vergleich zu einem „Basis-Szenario“. Der Kennzahlenbericht wäre ein wichtiger Anlass, um strategisch relevante Steuerungsgrößen für die Dekarbonisierung des eigenen Unternehmens zu identifizieren und in die allgemeine Unternehmenssteuerung zu integrieren.
Weiterführende Links
Informationen des World Resource Institute zum neuen AMI-Standard
Kontakt
Sebastian Seier
Leiter Kompetenzteam Nachhaltigkeit & Klimaschutz
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