Transaktionen & Industrie | 09.06.2026 CCS in Deutschland: Viel Ziel, wenig Hochlauf Autoren: Lukas Schuffelen | Dr. Lisa Rueben | Lilian Kox

 

CCS gilt als Schlüsseltechnologie für schwer vermeidbare Industrieemissionen – doch der Hochlauf in Deutschland kommt nur langsam voran. Zwischen neuen rechtlichen Spielräumen, fehlender Infrastruktur, offenen Geschäftsmodellen und gesellschaftlicher Akzeptanz entstehen zahlreiche offene Fragen rund um den Aufbau einer CO₂-Wertschöpfungskette. Unser Whitepaper beleuchtet die zentralen Problemfelder und zeigt, warum der CCS-Hochlauf derzeit an mehreren Stellen gleichzeitig stockt.

Carbon Capture and Storage, kurz CCS, rückt in der klimapolitischen Debatte zunehmend in den Fokus. Der Grund ist einfach: In einigen Industrien lassen sich CO₂-Emissionen auch langfristig nur schwer oder gar nicht vollständig vermeiden. Besonders dort, wo Prozessemissionen entstehen – etwa in der Zement-, Kalk-, Chemie- oder Abfallwirtschaft – kann CCS ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität sein.

Die Grundidee ist schnell erklärt: CO₂ wird direkt an industriellen Anlagen abgeschieden, transportiert und anschließend dauerhaft gespeichert. In der Praxis ist der Weg dorthin jedoch deutlich komplexer. Denn ein funktionierender CCS-Hochlauf setzt voraus, dass Regulierung, Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz ineinandergreifen. Genau hier zeigt sich in Deutschland bislang eine deutliche Lücke zwischen klimapolitischem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung.

Rechtlich hat sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt. Auf europäischer und nationaler Ebene entstehen zunehmend Rahmenbedingungen, die CCS aus der strategischen Diskussion in Richtung praktischer Anwendung führen. Doch rechtliche Öffnung bedeutet noch nicht automatisch, dass Speicherstätten verfügbar sind, Transportwege entstehen oder Investitionen ausgelöst werden.


Eine der zentralen offenen Fragen betrifft die künftige CO₂-Infrastruktur. Wo soll abgeschiedenes CO₂ gespeichert werden? Wie gelangt es dorthin? Wer finanziert Transportnetze, Speicherzugänge und die notwendige Anbindung industrieller Standorte? Und wie lassen sich nationale Planungen mit europäischen Speicher- und Hubstrukturen verbinden? Gerade für Deutschland, das voraussichtlich stark auf grenzüberschreitende Lösungen angewiesen sein wird, sind diese Fragen entscheidend.

Hinzu kommt die Perspektive der Unternehmen. Für industrielle Emittenten ist CCS nur dann eine realistische Option, wenn sich Investitionen in Abscheideanlagen auch wirtschaftlich und regulatorisch absichern lassen. Solange unklar bleibt, ob Transport und Speicherung rechtzeitig verfügbar sind, welche Kosten entstehen und wie dauerhaft Förder- oder Preissignale wirken, bleibt CCS ein schwer kalkulierbarer Investitionspfad.

Damit entsteht ein Koordinierungsproblem: Emittenten warten auf Infrastruktur, Infrastrukturbetreiber warten auf Nachfrage, und politische Entscheidungen müssen beide Seiten zugleich adressieren. Genau diese Synchronisierung wird für den CCS-Hochlauf in Deutschland zur eigentlichen Bewährungsprobe.

Auch gesellschaftlich ist CCS kein Selbstläufer. Während die Nutzung von CO₂ teilweise an positive Vorstellungen von Kreislaufwirtschaft anschließen kann, werden Pipelines und Speicherstätten voraussichtlich deutlich kritischer bewertet. Für die Umsetzung konkreter Projekte wird daher nicht nur technische Sicherheit zählen, sondern auch transparente Kommunikation, nachvollziehbare Standortentscheidungen und Vertrauen in Regulierung und Aufsicht.

CCS steht in Deutschland damit zwischen klimapolitischer Notwendigkeit und praktischer Unsicherheit. Zwar wächst die politische Aufmerksamkeit für die Technologie, gleichzeitig bleiben zentrale Fragen zu Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit, Regulierung und gesellschaftlicher Akzeptanz ungeklärt.

Für alle, deren Aufmerksamkeit bis hierhin geweckt wurde, empfehlen wir unser neu erschienenes Whitepaper zur Bestandsaufnahme von CCS in Deutschland: Wir beleuchten darin die zentralen Hindernisse des CCS-Hochlaufs in Deutschland und zeigen, warum der Aufbau einer CO₂-Wertschöpfungskette derzeit an mehreren Stellen gleichzeitig stockt.
 

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Whitepaper CCS in Deutschland: Zwischen Klimaziel und Realität.

Gerne stehen wir für einen Austausch zur Verfügung. 

Lukas Schuffelen
Partner
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Dr. Lisa Rueben
Senior Consultant
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