Workshops sind in der Energiewirtschaft zentrale Arbeitsformate: Wenn neue regulatorische Anforderungen interpretiert, Prozesse neu gedacht oder IT-Lösungen bewertet werden, kommen Fachexpertinnen und -Experten aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Personen aus den Bereichen Netz, Erzeugung, Vertrieb, Metering, IT usw. bringen jeweils eigene Logiken, Sprachen und Prioritäten mit. Genau darin liegen die Stärke und zugleich das Risiko solcher Formate.
Denn fachliche Exzellenz allein garantiert noch keine wirksame Zusammenarbeit. Besonders ärgerlich wird es, wenn die richtigen Leute am Tisch sitzen, das Potenzial des Workshops aber nicht ausgeschöpft wird, weil man den Workshop ohne gemeinsamen Fokus startet und dann z. B. ohne klare Ergebnisse endet.
Check-in- und Check-out-Rituale setzen genau hier an. Ein Check-in zu Beginn eines Workshops ist kein „Warm-up“, sondern eine gezielte Intervention. Er schafft Orientierung darüber, wer mit welcher Erwartung, welchem Wissensstand oder welcher Sorge im Raum ist. Gerade in fachbereichsübergreifenden Gruppen hilft das, implizite Annahmen offenzulegen und Missverständnisse früh zu reduzieren.
In der Praxis öffnet der Check-in den „Raum des Sagbaren“: Unsicherheiten hinsichtlich Zielklarheit, Zeitdruck aus dem Tagesgeschäft oder Zielkonflikte zwischen Bereichen werden benennbar. Alle potenziellen Themen, die die Teilnehmenden unterschwellig mitbringen, können einmal ihren Raum einnehmen. Dadurch „stören“ sie dann nicht den ganzen Termin, da sie nicht unstrukturiert auftauchen. Das erhöht die Arbeitsfähigkeit der Gruppe und verhindert, dass fachliche Diskussionen später unnötig eskalieren oder sich im Kreis drehen.
Evidenz aus der Team- und Workshop-Forschung zeigt: Gruppen arbeiten effektiver, wenn psychologische Sicherheit früh hergestellt wird. Der Check-in ist dafür ein einfaches, aber wirksames Mittel.
Praxisbeispiel: Check in in einem fachbereichsübergreifenden Workshop
In einem Workshop zur Meilensteinplanung für die Reorganisation eines Unternehmens haben wir bewusst einen kurzen Check-in eingesetzt. Statt direkt in die Agenda zu starten, haben wir die Expert*innen aus Netz, Messstellenbetrieb, Finanzen, Personal und Unternehmenssteuerung gebeten, in einem Satz zu teilen, mit welcher Wetterlage sie gerade in den Workshop starten. Innerhalb weniger Minuten wurde sichtbar, wie unterschiedlich die Ausgangslagen waren: Zeitdruck aus dem Tagesgeschäft, offene fachliche Fragen, aber auch Skepsis gegenüber dem Workshop-Ziel.
Vermeintliche Sturmfronten konnten durchziehen und sich direkt ausregnen. Diese Offenheit veränderte die Dynamik spürbar. Konfliktlinien konnten früh benannt, Erwartungen geklärt und der Fokus gemeinsam geschärft werden.
Ebenso wichtig ist der bewusste Abschluss. In Workshops mit hoher fachlicher Dichte gehen Erkenntnisse sonst schnell im Alltag verloren. Ein strukturierter Check-out bündelt zentrale Ergebnisse, klärt offene Punkte und macht sichtbar, was die Teilnehmenden aus dem Workshop mitnehmen.
Gerade in der Energiewirtschaft, wo viele Themen über mehrere Gremien, Projekte und Organisationseinheiten hinweg bearbeitet werden, sorgt ein guter Check-out für Anschlussfähigkeit. Er schafft Klarheit darüber, was entschieden wurde, was noch zu klären ist und wo Risiken liegen, die weiter beobachtet werden müssen.
Check-in und Check-out sind kein Allheilmittel. In sehr kurzen, rein informativen Terminen können sie unnötig wirken. Auch in akuten Krisensituationen ist manchmal sofortiges Handeln gefragt. Entscheidend ist die bewusste Gestaltung: Ziel des Workshops, Gruppengröße, Heterogenität und Kontext bestimmen, ob und wie Rituale eingesetzt werden.
Besonders wirksam sind sie dort, wo:
- unterschiedliche Fachlogiken aufeinandertreffen,
- Entscheidungen vorbereitet oder bewertet werden,
- Unsicherheit oder Ambiguität im Raum steht,
- Ergebnisse tragfähig über den Workshop hinauswirken sollen.
Workshops sind oft die Orte, an denen technische Machbarkeit, regulatorische Vorgaben und wirtschaftliche Ziele zusammengeführt werden müssen. Check-in und Check-out helfen, diese Komplexität handhabbar zu machen, ohne den fachlichen Anspruch zu reduzieren. Check-in- und Check-out-Rituale sind kleine Interventionen mit großer Hebelwirkung. Richtig eingesetzt erhöhen sie die Qualität der Zusammenarbeit, reduzieren Risiken in Entscheidungsprozessen und stabilisieren Ergebnisse.
BET begleitet Organisationen der Energiewirtschaft dabei, Workshops so zu gestalten, dass fachliche Vielfalt nicht zur Reibung, sondern zur Stärke wird. Bei Interesse oder Unterstützungsbedarf melden Sie sich gerne.
Fiona Lecour
Senior Consultant
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