Newsletter Nachhaltigkeit | 19.05.2026 Mustafa Sancar: Wie halten Stadtwerke in unsicheren Zeiten Kurs? Autoren: Das Interview führte Sebastian Seier

 

Mustafa Sancar ist Geschäftsführer der Stadtwerke Hildesheim und Obmann des Stadtwerke-Netzwerks „Klimawerke“. Im Gespräch mit BET erklärt er, mit welchem strategischen Kompass die Stadtwerke in turbulenten Zeiten auf Kurs bleiben und wie der Spagat zwischen Stakeholder-Anforderungen und begrenzten Ressourcen gelingen kann. Dabei steht für ihn fest: Stadtwerke sollten nicht für sich allein kämpfen, sondern die Herausforderungen gemeinsam angehen.

Herr Sancar, die aktuellen Rahmenbedingungen für Energieversorger sind herausfordernd. Wie halten Sie bei den Stadtwerken Hildesheim in solch unsicheren Zeiten einen klaren Kurs?

In einem Umfeld voller geopolitischer Spannungen und stark schwankender Energiepreise ist es für uns zentral, an unserem „strategischen Kompass“ festzuhalten:

  1. Absolute Kundenzentrierung
  2. Sicherstellung der Versorgungssicherheit mit einer klimaneutralen, sicheren, bezahlbaren und zunehmend unabhängigeren Energieversorgung für unsere Region
  3. Nachhaltiges Agieren und Orientierung an den ESG-Kriterien
  4. Aktive Nutzung der Digitalisierungschancen hinsichtlich Kundennutzen, Effizienzpotenzial und Geschäftsmodellen
  5. Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenzufriedenheit und Gesellschafterzufriedenheit als Gradmesser für unseren Erfolg
     

Unser Anspruch ist es, dabei bewusst auf lokale, erneuerbare Wertschöpfung und starke Kooperationen zu setzen, um Risiken, Know-how und Investitionen zu teilen.

Investitionen sind ein gutes Stichwort: Die nachhaltige Transformation der Energiewirtschaft erfordert an vielen Stellen finanzielle Mittel. Wie priorisieren Sie diese, um die größte Wirkung zu erzielen?

Investitionen priorisieren wir danach, wie stark sie zur Transformation, Versorgungssicherheit und Energiewende – das heißt CO2-Minimierung – beitragen. Zudem müssen sie wirtschaftlich tragfähig sein und unseren Kundinnen und Kunden einen spürbaren Mehrwert bringen. Die Orientierung an unseren strategischen Eckpfeilern ist somit auch unter unsicheren Bedingungen für unser Stadtwerk essenziell, um unsere langfristige Robustheit zu gewährleisten.

Eine der großen Herausforderungen auf dem Weg zum nachhaltigen Stadtwerk ist die richtige Balance zwischen den Ansprüchen der Stakeholder und begrenzten Ressourcen. Wie gehen Sie bei den Stadtwerken Hildesheim mit dieser Herausforderung um? 

Als Stadtwerke stehen wir permanent im Spannungsfeld zwischen den hohen Nachhaltigkeitsanforderungen unserer Stakeholder und den begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen. Um dem entgegenzuwirken, adressieren wir Zielkonflikte systematisch, nehmen eine klare Priorisierung vor und überführen unsere wesentlichen Nachhaltigkeitsziele stringent in Strategie, Investitionsplanung und Projektportfoliosteuerung.

Unser Anspruch ist es, dass unsere Mittel dort eingesetzt werden, wo sie für Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit, unternehmerische Robustheit und die kommunale Wertschöpfung den größten Beitrag leisten. So können wir mit den vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen Schritt für Schritt echte Wirkung erzielen. Gleichzeitig kommunizieren wir offen, was heute schon möglich ist und was erst in einem zweiten Schritt folgen kann. Dies schafft Vertrauen, auch wenn wir nicht alles gleichzeitig leisten können.

Die SW Hildesheim sind Gründungsmitglied der Stadtwerke-Initiative „Klimawerke“, deren Obmann Sie auch sind. Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit von EVU aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Energiewende?

Die Energiewende ist so komplex und kapitalintensiv, dass einzelne Energieversorger ihre Aufgaben allein kaum bewältigen können – gerade kommunale EVU profitieren daher in hohem Maße von Kooperationen. In der Stadtwerke-Initiative Klimawerke bündeln wir Erfahrungen, Methoden und Werkzeuge rund um Dekarbonisierung, Treibhausgas-Bilanzierung und Nachhaltigkeitsberichterstattung und entwickeln gemeinsam Lösungen, die jedes Mitglied in seinem Versorgungsgebiet skalieren kann. Diese Form der „Schwarmintelligenz“ beschleunigt Lernkurven, reduziert Kosten und Risiken und stärkt damit insgesamt die Rolle der Stadtwerke als zentrale Akteure einer erfolgreichen, kommunal verankerten Energiewende. Gemeinsam können wir also deutlich mehr erreichen als allein!


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Kontakt

Sebastian Seier
Leiter Kompetenzteam Nachhaltigkeit & Klimaschutz
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