Vom Pflichtprogramm zum strategisch geführten Geschäftsfeld
Seit dem GNDEW hat sich die Ausgangslage für gMSB grundlegend verändert: Mengengerüste wachsen, die Steuerung wird zur Standardleistung und die Preisobergrenzen sind nur auskömmlich, wenn Einbau, Betrieb und Dienstleistersteuerung effizient ineinandergreifen. Zugleich entfalten intelligente Messsysteme ihren Nutzen erst, wenn die Daten genutzt werden: für bedarfsgerechten Netzausbau, eine automatisierte Netzführung in der Niederspannung und den Wegfall manueller Ablesungen. Wer den Messstellenbetrieb nur als Erfüllung gesetzlicher Quoten versteht, verschenkt dieses Potenzial und riskiert eine dauerhaft defizitäre Sparte. Viele unserer gMSB-Kunden erreichen mittlerweile in ihren Business-Planungen derzeit Margen (IRR) zwischen 5 und 11 %.
5 Strategiefelder, 1 Zielbild
Die zentralen strategischen Fragestellungen, die jeder gMSB für sich entscheiden muss, lassen sich in 5 eng verzahnte Strategiefelder gliedern:
- Make-or-Buy: Wo erbringt der gMSB Leistungen selbst, wo lagert er aus? Die Wertschöpfungstiefe bestimmt Kosten, Personalbedarf und Steuerungsfähigkeit.
- Kooperation: Sollen Dienstleistungen für dritte gMSB angeboten werden? Bei gedeckelten Erlösen entscheiden Skaleneffekte über die Wirtschaftlichkeit.
- TK-Strategie: Welche WAN-Technologie kommt wo zum Einsatz, wo ist Breitbandpowerline (BPL) sinnvoll? Die Anbindung prägt Einbauquoten und Betriebskosten über die gesamte Laufzeit.
- Produktstrategie: Welche Zusatzleistungen, insbesondere Mehrspartenmetering, werden angeboten? So werden Erlöse jenseits der Preisobergrenzen erschlossen.
- Rolloutstrategie: Wie wird die Rolloutplanung so abgeleitet, dass sie zu allen anderen Strategien passt? Welche Einbauten müssen zuerst erfolgen, damit Kosten minimiert und Erlöse maximiert werden?
Wichtig: Keine dieser Fragen lässt sich isoliert beantworten: Eine TK-Strategie ohne Rolloutplanung bleibt theoretisch, eine Produktstrategie ohne Make-or-Buy-Entscheidung ist nicht umsetzbar.
Unsere BET-Methodik: vom Business Case bis zur Disposition
Bewährt hat sich ein Vorgehen in vier Stufen, bei dem die Ergebnisse jeder Stufe den Input der nächsten bilden:
- Business Case: Aus Mengengerüsten, Zielnetzplanungen, Prognosen der Energiewendeanlagen und aktueller Regulatorik entstehen Erlös-, Kosten- und Personalverläufe sowie das optimale Rolloutszenario mit jahresscharfen Installationszahlen bis 2035.
- Rolloutstrategie: Mit Eichdauern, Erfolgsquoten und Stammdaten werden vorzeitige Wechsel, die Clusterung von Gebieten nach Rendite, die 1:n-Quote und die Anbindung weiterer Sparten optimiert.
- Detailplanung: Zusammen mit § 14a-Strategie, Funknetzabdeckung und Geodaten entstehen monats- und messlokationsscharfe Rolloutlisten.
- Dispositionsoptimierung: Daraus folgt die tages- und personenscharfe Disposition der Zählerwechsel.
So werden strategische Entscheidungen messbar mit dem Business Case verknüpft und kommen bis in die operative Einsatzplanung an.
Was sich in den gMSB-Strategie-Projekten der letzten Jahre gezeigt hat
BET begleitet Messstellenbetreiber seit 2016, hat gemeinsam mit EY die Kosten-Nutzen-Analyse für das BMWE erstellt, auf der die aktuellen Preisobergrenzen beruhen, und seit dem GNDEW eine Vielzahl von gMSB bei Business Cases, Rolloutplanungen und strategischen Neuausrichtungen begleitet.
Daraus lassen sich wiederkehrende Erfolgsfaktoren ableiten:
- Ehrliche Standortbestimmung zuerst: Organisation, IT und Dienstleistersetting prägen die Strategie stärker als erwartet.
- Eigene Position im Vergleich kennen: Ein Benchmark mit Kosten- und Erlösdaten von mittlerweile mehr als 45 gMSB zeigt, wo Effizienzpotenziale tatsächlich liegen.
- Szenarien individuell rechnen: Ob Pflicht- oder Full-Rollout wirtschaftlicher ist, hängt vom jeweiligen Netzgebiet ab.
- Erfolgsquoten ernst nehmen: Fehlanfahrten, etwa durch fehlende Mobilfunkabdeckung im Gebäude, sind ein unterschätzter Kostentreiber.
- Planung toolgestützt aufsetzen: So lässt sie sich bei regulatorischen Änderungen schnell anpassen.
Unser Fazit
Ein gMSB, der seine strategischen Fragen beantwortet hat, steuert den Rollout aktiv, statt ihn nur abzuarbeiten. Die Erfahrung aus zahlreichen Strategieprozessen zeigt: Entscheidend ist nicht die einzelne Antwort, sondern dass alle Antworten zueinander passen.
Leon Bücher
Leiter Kompetenzteam Smart Metering
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Judith Lange
Senior Consultant
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