Organisationsentwicklung | 22.09.2026 Wertschätzend eingreifen. Wenn Nicht-Unterbrechen zur eigentlichen Störung wird Autoren: Fiona Lecour

 

Unterbrechen gilt schnell als unhöflich. In der Moderation ist es aber häufig eher ein Zeichen für Respekt: für die sprechende Person, für die anderen Teilnehmenden und für das gemeinsame Ziel. Gerade in der Energiewirtschaft, wo Zeitdruck, Fachsprache und unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, schafft wertschätzendes Unterbrechen den Raum, in dem aus vielen Stimmen tragfähige Entscheidungen werden.
 

In Workshops und Projekten treffen häufig unterschiedliche Perspektiven, Interessen und Fachsprachen aufeinander. Netzbetrieb, Regulierung, IT, Vertrieb etc. betrachten dieselbe Fragestellung oft aus unterschiedlichen Blickwinkeln. All diese Perspektiven sind wertvoll. Die Herausforderung besteht darin, daraus einen gemeinsamen Arbeitsprozess und am Ende tragfähige Entscheidungen entstehen zu lassen.

Genau hier liegt die Aufgabe professioneller Moderation. Sie sorgt nicht nur für einen eingehaltenen Zeitplan oder die nächste Agenda-Folie. Sie schafft einen Raum, in dem unterschiedliche Formen von Wissen wirksam werden können: spontane Ideen ebenso wie langjährige Erfahrung, strategische Sichtweisen ebenso wie operative Praxiserfahrungen. Gute Moderation achtet darauf, dass nicht allein die lautesten Stimmen den Verlauf eines Gesprächs bestimmen, sondern alle relevanten Perspektiven eine echte Chance bekommen.

Dafür braucht es manchmal eine gezielte Unterbrechung. Beispielsweise dann, wenn sich Argumente wiederholen, wenn Detaildiskussionen die Gruppe vom eigentlichen Ziel wegführen oder wenn einzelne Personen deutlich mehr Redezeit beanspruchen als andere. Ebenso wichtig kann es sein, Fachbegriffe zu übersetzen, Zwischenergebnisse sichtbar zusammenzufassen oder leise Stimmen aktiv einzuladen.

Entscheidend ist dabei, dass die Intervention kurz, wertschätzend und anschlussfähig bleibt.
Zum Beispiel:

  • „Lassen Sie uns den Punkt an dieser Stelle kurz festhalten und anschließend auf die noch offenen Perspektiven schauen.“
     
  • „Ich nehme wahr, dass wir gerade stark in die Details gehen. Bevor wir weiter einsteigen: Ist das für unser heutiges Ziel der richtige Fokus oder sollten wir den Aspekt zunächst festhalten und später vertiefen?“
     
  • „Ich höre viel Zustimmung zu diesem Aspekt. Gibt es auch andere Perspektiven oder Bedenken, die wir berücksichtigen sollten?“


Wer unterbricht, sollte nie einfach nur stoppen. Eine gute Moderation bietet immer auch Orientierung: Was wurde verstanden? Warum greift die Moderation ein? Und wie geht es jetzt weiter?

Gerade deshalb ist Moderation aus meiner Sicht eine eigenständige Kompetenz und nicht einfach eine Nebenaufgabe der Projektleitung. Projektleitungen sollen Entscheidungen vorbereiten, Risiken bewerten, Inhalte verantworten und Ergebnisse erzielen. Die Moderation hingegen hält den Prozess, die Struktur und die Beteiligung der Gruppe im Blick. Diese klare Rollenverteilung schafft Freiräume und erhöht die Wirksamkeit aller Beteiligten. In vielen Veränderungs- und Strategieprojekten zeigt sich genau darin der Unterschied zwischen einer Diskussion, in der viel gesprochen wird, und einem Workshop, in dem tatsächlich gemeinsam gearbeitet wird.

Aus meiner Erfahrung sind die wirksamsten Workshops nicht die mit den besten Folien oder den ausgefeiltesten Methoden, sondern jene, in denen sich alle Beteiligten auf ihre jeweilige Rolle konzentrieren können. Deshalb entscheiden sich viele Unternehmen der Energiewirtschaft bewusst für eine externe Moderation. Sie sorgt für Struktur, Beteiligung und einen zielorientierten Prozess, während sich Fach- und Führungskräfte auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können. Genau in dieser Kombination aus Branchenverständnis, Organisationsentwicklung und professioneller Moderation begleiten wir bei BET regelmäßig unsere Kunden.


Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Corinna Semling
Leiterin Kompetenzteam Personal, Kultur & Veränderung
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Fiona Lecour
Senior Consultant
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