Eine technisch-wirtschaftliche Prüfung der wesentlichen Projektverträge wird regelmäßig auch von Fremdkapitalgebern im Rahmen der Due Diligence gefordert und ist häufig eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektfinanzierung.
Die Prüfung einzelner Garantiewerte allein greift dabei zu kurz. Entscheidend ist vielmehr, ob Leistungsmerkmale, Messgrößen und Verantwortlichkeiten über alle Vertragswerke hinweg einheitlich und konsistent definiert sind und zugleich zum vorgesehenen Einsatzprofil des Speichers sowie zum angestrebten Risikoprofil des Projekts passen.
Die drei essenziellen Verträge für ein BESS-Projekt
Die wesentlichen Verpflichtungen eines BESS-Projekts verteilen sich typischerweise auf drei Vertragswerke:
- Der Liefervertrag (Supply Agreement) regelt die technische Auslegung und Lieferung des Speichers. Hier werden u. a. technische Parameter und Bedingungen, Abnahmekriterien, Regelungen für einen Projektverzug, Mängelrechte und initiale Garantien und damit verbundene Bedingungen geregelt.
- Der Betriebs- und Wartungsvertrag (LTSA, O&M-Vertrag) legt Regelungen zu Wartung, Monitoring, Entstörungen und Ersatzteilen fest. Es ist ebenfalls üblich, dass Regelungen für mögliche Garantieverlängerungen getroffen werden.
- Der Vermarktungsvertrag regelt die Übertragung der Vermarktung des Speichers an einen spezialisierten Dienstleister. Dabei wird insbesondere die Aufteilung der Vermarktungserlöse und Risiken in gängigen Modellen wie Tolling oder Profit-Sharing definiert. Es wird ebenfalls vereinbart, welche technischen Parameter und Verfügbarkeiten durch den Vermarkter vorausgesetzt werden und welche Pönalen bei Nichterreichen der Parameter durch den Speicherbetreiber zu zahlen sind.
In der Praxis müssen die verschiedenen Verträge wie Zahnräder ineinandergreifen, um technische und kommerzielle Risiken wirksam zu begrenzen. Dazu zählen beispielsweise Leistungsabweichungen, Verfügbarkeitsprobleme, Pönalen oder Erlösausfälle. Für die Bankfähigkeit des Projekts ist insbesondere eine klare, konsistente und vertraglich belastbare Definition der Garantiebedingungen entscheidend.
Garantien müssen zum vorgesehenen Einsatz passen
Garantien sind ein zentraler Bestandteil der technischen und wirtschaftlichen Absicherung. Dabei sind die folgenden Garantien entscheidend:
- Die Produktgarantie deckt vordefinierte Mängel an Komponenten oder am Gesamtsystem ab. Zu prüfen sind insbesondere der konkrete Garantieumfang, die erfassten Komponenten und mögliche Ausschlüsse sowie etwaige zusätzliche Kosten, etwa für Anfahrt oder den Austausch von Komponenten.
- Die Kapazitätsgarantie gibt für jedes Betriebsjahr an, wie viel Speicherkapazität (MWh) verfügbar sein muss. Diese Garantie ist von zentraler Bedeutung, da Batteriespeicher über ihre Lebensdauer eine Kapazitätsdegradation von 100% auf bis zu 60% der initialen Kapazität erfahren. Entscheidend sind nicht nur die jährlichen Prozentwerte, sondern auch die zulässige Betriebsweise, Temperaturen, C-Raten, Ladezustandsbereiche sowie die Definition der Kapazitätstestsmethodik.
- Die Verfügbarkeitsgarantie sichert eine bestimmte technische Verfügbarkeit des Speichers zu. Wesentlich sind dabei die davon abgedeckten Komponenten sowie die genaue Berechnungsmethodik, die Verfügbarkeiten, Nichtverfügbarkeiten und Teilverfügbarkeiten adäquat abbilden muss.
- Die Round-Trip-Efficiency (RTE)-Garantie definiert den energetischen Wirkungsgrad eines vollständigen Lade- und Entladevorgangs. Hier ist die Entscheidung des Messpunkts, die Verrechnung von Eigenverbrauchswerten und die Testmethodik entscheidend.
Eine ungenaue Definition der Messmethodiken für die garantierten Werte kann erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
Der jährliche Kapazitätstest als kritische Schnittstelle
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Methodik des jährlichen Kapazitätstests. Sie ist maßgeblich dafür, ob eine Unterschreitung der Kapazitätsgarantie objektiv und nachvollziehbar festgestellt werden kann. Eine belastbare Testbeschreibung sollte daher insbesondere den Ausgangszustand, den Betriebsmodus und die Abbruchkriterien definieren, zulässige Rahmenbedingungen wie Temperatur und Ruhezeiten festlegen, Anforderungen an die Datenaufzeichnung spezifizieren sowie das weitere Vorgehen für den Fall regeln, dass die garantierten Werte nicht erreicht werden.
Unklare Abbruchskriterien und nicht reproduzierbare Testbedingungen können die Aussagekraft des Tests erheblich einschränken. Ebenfalls relevant ist die organisatorische Einbindung in Betriebsabläufe, da während eines Kapazitätstest der Speicher nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung steht.
Pönalen müssen den wirtschaftlichen Schaden sinnvoll adressieren
Garantien sind nur belastbar, wenn an ihre Unterschreitung wirksame Folgen geknüpft sind. Hier ist eine Kombination aus Nachbesserungen, Austausch, sowie die Zahlung von vertraglich festgelegten Pönalen zu empfehlen. Hier ist insbesondere das Zusammenspiel zwischen Pönalen aus den Garantiebedingungen und dem Vermarktungsvertrag zu prüfen. Dabei sind Haftungsobergrenzen, Kumulationsregeln und Ausschlüsse zu beachten.
Die technisch-energiewirtschaftliche Vertragsprüfung als zentraler Baustein der Fremdkapitalsicherung
Die rechtliche Ausgestaltung und Durchsetzbarkeit von Pönalen und Garantien ist durch eine qualifizierte Rechtsberatung zu prüfen. Die technisch-energiewirtschaftliche Prüfung schafft hierfür die notwendige fachliche Grundlage.
Für Fremdkapitalgeber ist entscheidend, ob die erwarteten Cashflows auch bei technischen Abweichungen und Betriebsstörungen ausreichend abgesichert sind. Dazu müssen Garantien nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern messbar, nachweisbar und mit angemessenen Abhilfemechanismen hinterlegt sein.
Ein technisch-energiewirtschaftlicher Vertragscheck beantwortet Ihnen die folgenden Fragestellungen:
- Sind die vereinbarten Garantien mit dem Erlösmodell und der geplanten Fahrweise vereinbar?
- Sind Meilensteine und Fristen der verschiedenen Vertragswerke konsistent aufeinander abgestimmt?
- Funktionieren Test- und Nachweisverfahren eindeutig?
- Sind Verfügbarkeitsrisiken zwischen den Parteien lückenlos definiert?
- Sind Pönalen und Abhilfemaßnahmen technisch und wirtschaftlich wirksam?
- Welche Optimierungspotenziale bestehen im vorgeschlagenen Vertragswerk?
Wir stehen Ihnen als Partner mit jahrelanger Erfahrung bei der Bewertung von BESS-Projekten bei der projektindividuellen Beantwortung dieser Fragen gerne zur Seite und helfen, Realismus in Zahlen zu bringen und versteckte Risiken transparent zu machen.
Für Fragen und einen Austausch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Dr. Lukas Löhr
Leiter Kompetenzteam Energiemarktmodelle & Preisprognosen
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Fabian Lambrecht
Leiter Kompetenzteam Transaktionen
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Philipp Katterbach
Consultant
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